M+E-Unternehmen fordern Anpassung der Arbeitszeitregelungen an sich rasch wandelnde Arbeitswelt

M+E-Unternehmen fordern Anpassung der Arbeitszeitregelungen an sich rasch wandelnde Arbeitswelt

Erstellt am: 29.03.2017

Holder: „Es wäre an der Zeit, erwachsenen Menschen mehr Eigenverantwortung zuzutrauen“

REUTLINGEN – Angesichts der sich rasch wandelnden Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung müssen die geltenden Arbeitszeitregelungen nach Auffassung der Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in der Region Reutlingen/Tübingen dringend an die neue Realität angepasst werden. „Hier sind insbesondere die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes auf den Prüfstand zu stellen“, sagte der Sprecher der regionalen Unternehmer-Kontaktgruppe des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Martin Holder, am Dienstag im Anschluss an eine Sitzung des Gremiums bei der WAFIOS AG in Reutlingen. „Es wäre an der Zeit, erwachsenen Menschen mehr Eigenverantwortung zuzutrauen und die gesetzlichen Vorschriften zur täglichen Maximalarbeitszeit und den einzuhaltenden Ruhezeiten zumindest in Fällen einer selbstgewählten Lage der Arbeitszeit aufzulockern“, forderte Holder, der auch Vorstandsmitglied der WAFIOS AG ist.

Das heutige Arbeitszeitgesetz sieht beispielsweise die zwingende Einhaltung einer Ruhezeit von elf Stunden nach Beendigung der Arbeit vor. „Dies gilt auch, wenn der Arbeitnehmer die Arbeitszeit selbst gewählt hat“, so Holder: „Wird einem Beschäftigten beispielsweise ermöglicht, um 15 Uhr nach Hause zu gehen, um sich um seine Kinder zu kümmern, und arbeitet dieser Beschäftigter dann abends noch einmal von 20 bis 22 Uhr, wenn die Kinder schlafen, so darf er nach der jetzigen Gesetzeslage am nächsten Tag vor 9 Uhr nicht wieder in die Firma kommen.“ Gebe er seine Kinder um 7:30 Uhr in der Kita ab, müsste er also wieder nach Hause fahren, anstatt direkt zur Arbeit zu gehen. „Eine solche Regelung ist nicht mehr zeitgemäß und widerspricht auch den von der Politik immer wieder geforderten familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen“, kritisierte der Sprecher der Unternehmer-Kontaktgruppe.

Die vereinbarte Gesamtarbeitszeit müsse künftig flexibler und bedarfsgerechter über die Woche verteilt werden können, forderte Holder. „Das ist im Interesse der Unternehmen – und der Arbeitnehmer“, erklärte er: „Und es würde dem europäischen Recht entsprechen. Wir müssen von dem Gedanken loskommen, dass die deutsche Politik bei Regulierungen immer eine Schippe drauflegen muss.“

Mit Sorge sieht er auch die Ankündigung der IG Metall, in der nächsten Tarifrunde Ende dieses Jahres mehr Arbeitszeitflexibilität einseitig zu Gunsten der Beschäftigten durchsetzen zu wollen. „Dies würde zu Flexibilitätseinschränkungen für die Arbeitgeber führen“, sagte Holder: „Im heutigen globalen Umfeld ist eine weitreichende Flexibilität für die Betriebe aber unerlässlich – nicht zuletzt, weil die deutsche Metall- und Elektroindustrie aufgrund der viel zu hohen Lohnkosten einen deutlichen Wettbewerbsnachteil hat.“

Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer der Südwestmetall Bezirksgruppe Reutlingen mahnte die Gewerkschaft, nicht zu vergessen, dass diese Flexibilität Teil des vor langer Zeit mit der IG Metall ausgehandelten, nach ihrem Schlichter benannten ‚Leber-Kompromisses‘ war. „Die Arbeitszeit wurde damals in Schritten auf 35 Stunden reduziert, und zwar im Tausch gegen eine Erhöhung der tariflichen betrieblichen Flexibilität für die Arbeitgeber“, erinnerte Vetter. „Vor diesem Hintergrund wird sich die IG Metall die Frage stellen müssen, ob sie den Leber-Kompromiss von damals tatsächlich in Gänze in Frage stellen will. Sollte sie die Flexibilität der Arbeitgeber beschränken wollen, wird dies auf unseren energischen Widerstand stoßen“, warnte er.

Die Arbeitgeber würden aber durchaus sehen, dass die Beschäftigten in bestimmten Situationen etwas mehr Flexibilität benötigten, sagte Holder: „Wenn im Gegenzug die IG Metall dafür Verständnis hat, dass auch die Unternehmen in Zeiten immer schwieriger werdender globaler Produktionsbedingungen mehr Spielraum brauchen, kann es hier zu einem vernünftigen Austausch kommen.“ Er erinnerte die Gewerkschaft in diesem Zusammenhang nochmals an die betrieblichen Anforderungen: „Wenn Kunden auf Produkte warten und die Arbeit sich türmt, muss sie erledigt werden. Damit ist klar, dass die Wünsche der Beschäftigten nur dann erfüllt werden können, wenn auch die betrieblichen Belange berücksichtigt sind.“

 

Anbei unsere Presseresonanz:

Reutlinger Nachrichten vom 05. April 2017

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