Südwestmetall zum 'Equal Pay Day': Lohunterschiede zwischen Frauen und Männer nicht Folge von Diskriminierung

Südwestmetall zum 'Equal Pay Day': Lohunterschiede zwischen Frauen und Männer sind nicht Folge von Diskriminierung

Erstellt am: 17.03.2017

Thede: „Unverständlich, warum Bundesregierung dennoch an Entgelttransparenzgesetz festhalten will“

REUTLINGEN – Anlässlich des ‚Equal Pay Day‘ am morgigen Samstag stellte Reiner Thede, Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Reutlingen, klar: „Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sind keine Folge von Diskriminierung durch die Unternehmen. Die wichtigsten Gründe für die Lohndifferenzen waren im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt wiederum Unterschiede in den Branchen und Berufen, in denen Frauen und Männer tätig sind. Außerdem sind Frauen häufiger teilzeit- oder geringfügig beschäftigt als Männer und nehmen mehr familiär bedingte Auszeiten.“

Dass die Bundesregierung dennoch an ihrem Entgelttransparenzgesetz festhalte, sei angesichts dieser Tatsachen unverständlich, sagte Thede. Mit dem Gesetz sollen Beschäftigte künftig einen individuellen Auskunftsanspruch über das Gehalt einer Vergleichsgruppe des jeweils anderen Geschlechts erhalten. Der umstrittene Gesetzentwurf befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren. „Statt angeblicher Lohngerechtigkeit bringt das Entgelttransparenzgesetz nur mehr Bürokratie für die Unternehmen mit neuen Auskunftsansprüchen, Regelungen über Prüfverfahren und Berichtspflichten“, beklagte der Arbeitgeber-Vertreter. Zudem trage es Verunsicherung in die Betriebe und Belegschaften.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Beschäftigte alle zwei Jahre vom Arbeitgeber verlangen können, ihnen unter anderem den statistischen Median des Durchschnittsentgelts einer Gruppe von mindestens sechs Beschäftigten des anderen Geschlechts mit gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit offenzulegen. Unterschiedliche Bezahlung könne aber nicht einfach mit Diskriminierung gleichgesetzt werden, so Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe: „Auch in einer Vergleichsgruppe des eigenen Geschlechts kann die Bezahlung unterschiedlich sein. Leider nimmt das Gesetz das nicht in den Blick.“ So müssten Arbeitgeber zum Beispiel Risikoaufschläge, Bleibeprämien oder Wechselboni zahlen, um qualifizierte Mitarbeiter abzuwerben oder an Bord zu behalten.

„Anstatt die Unternehmen mit sinnloser Bürokratie zu belasten, sollte die Politik besser für mehr Kinderbetreuungs-Angebote sorgen. Dann könnten Frauen schneller wieder in Vollzeit in den Beruf zurückkehren“, erklärte Vetter. Dabei verweist Vetter auf einen zentralen Satz der zuletzt von der OECD vorgelegten Studie zur Vereinbarung von Familie und Beruf in Deutschland, der lautet: „Mütter fühlten sich durch starre Öffnungszeiten von Schulen, Kindergärten und Kitas gezwungen, ihre Arbeitszeiten zu reduzieren.“ „Gleichzeitig müssen wir Frauen stärker für männertypische Berufe, etwa in der Metall- und Elektroindustrie, gewinnen.“ Denn im Verarbeitenden Gewerbe gebe es meist ein höheres Lohnniveau als in den Sektoren, in denen die meisten weiblichen Berufsklassiker angesiedelt sind.

Leider wolle die Bundesregierung bis heute nicht einsehen, dass die mit dem Gesetz verbundenen bürokratischen Belastungen in keinem Verhältnis zu den verfolgten Zielen stehen, sagte Thede. „Von Trump bis Brexit muss die Wirtschaft derzeit eine Menge Risikofaktoren einkalkulieren. Da würden wir uns von der Politik eigentlich Rückenwind anstatt zusätzlicher Belastungen erhoffen“, erklärte der Bezirksgruppen-Vorsitzende.

 

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