Südwestmetall fordert von IG Metall Rückkehr zu realitätsorientierter Tarifpolitik

Thede: „IG Metall darf sich nicht allein an stärksten Betrieben orientieren. Breite Masse der Firmen muss Maß der Dinge sein“

Erstellt am: 25.07.2018

Thede: „IG Metall darf sich nicht allein an stärksten Betrieben orientieren. Breite Masse der Firmen muss Maß der Dinge sein“

REUTLINGEN – Der Vorsitzende der Bezirksgruppe Reutlingen des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Reiner Thede, fordert von der Gewerkschaft IG Metall eine realitätsorientiertere Tarifpolitik. „Die IG Metall darf sich nicht allein an den stärksten Unternehmen orientieren, sondern die breite Masse der Firmen muss das Maß der Dinge sein“, sagte Thede am Dienstag nach einer Vorstandssitzung der Bezirksgruppe in Reutlingen: „Die tarifpolitische Grundausrichtung muss daher lauten: Bei den Entgeltsteigerungen deutlich mehr Maß halten und zugleich denjenigen Unternehmen, die schon das heutige Lohnniveau überfordert, unbürokratisch und verlässlich Abweichungen vom Flächentarif ermöglichen!“

Frank Diez, Mitglied des Vorstandes der Bezirksgruppe Reutlingen, wies darauf hin, dass die Tarifabschlüsse in den vergangenen Jahren stets weit über der Inflation und den erzielbaren Produktivitätsfortschritten gelegen hätten. „Angesichts eines durchschnittlichen Jahresentgelts in der M+E-Industrie von inzwischen mehr als 63.000 Euro brauchen wir dringend eine Rückkehr zu moderateren Abschlüssen“, erklärte er: „Im Schnitt weisen unsere Unternehmen trotz des aktuell noch guten Konjunkturumfelds nur relativ schwache Renditen auf. Des Weiteren dürfen wir nicht übersehen, dass die Firmen im Moment vor riesigen Investitionen stehen – für die Digitalisierung und den Umstieg auf neue Antriebe im Bereich E-Mobility.“

Augenmaß bei der Entgeltentwicklung sei auch geboten, um die viel beklagte Spaltung der Gesellschaft nicht weiter zu vertiefen, sagte Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Reutlingen. „Denn wie ist es zu rechtfertigen, dass ein M+E-Arbeitnehmer fast doppelt so viel verdient wie beispielsweise eine Pflegekraft?“, fragte er. „Die Entgelte in der M+E-Industrie dürfen sich nicht noch weiter von anderen Branchen entkoppeln“, erklärte der Arbeitgebervertreter.

Thede wies auf die sich langsam wieder eintrübende Konjunktur hin, nicht zuletzt aufgrund der Handelsauseinandersetzungen mit den USA. Dies verlange größere Vorsicht bei künftigen Tarifabschlüssen, sagte er: „Unsere Unternehmen brauchen ein Entgeltniveau, mit dem sie auch in schlechteren Zeiten bestehen können. Denn das Siegel ‚Made in Germany‘ muss auch künftig noch ein Gütesiegel sein – und nicht eine aussterbende Marke.“

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Datum: 24.1.2020

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