Südwestmetall-Konjunkturumfrage: Ausblick der Unternehmen in der Region auf das kommende Jahr deutlich pessimistischer

Thede: „Regierung muss Wirtschaftsstandort jetzt wetterfest machen und eine Reform-Agenda 2030 auf den Weg bringen“

Erstellt am: 05.11.2018

Thede: „Regierung muss Wirtschaftsstandort jetzt wetterfest machen und eine Reform-Agenda 2030 auf den Weg bringen“

Dr. Wolf: „IG Metall muss bei der Umsetzung der Regelung zu den tariflichen Freistellungstagen endlich ‚Fair-Play‘ spielen“

REUTLINGEN/DETTINGEN AN DER ERMS – „Nach einem wirtschaftlich erneut guten Jahr 2018 sind die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in der Region Neckar-Alb und Nordschwarzwald deutlich pessimistischer was das kommende Jahr angeht“, sagte Reiner Thede, Vorsitzender der Bezirksgruppe Reutlingen des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, am Montag bei der Vorstellung einer Umfrage der Bezirksgruppe unter ihren Mitgliedsfirmen. Die Umfrage wurde anlässlich der ebenfalls am Montag stattfindenden Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe durchgeführt.

Während 48 Prozent der befragten Betriebe für 2018 eine bessere oder erheblich bessere Auftragslage als im vergangenen Jahr sehen, erwarten dies für 2019 nur noch 19 Prozent. Lediglich 26 Prozent rechnen für das laufende Jahr mit etwas oder erheblich schwächeren Auftragseingängen. Für das kommende Jahr tun dies immerhin schon 38 Prozent. (Die vollständige Umfrage finden Sie im Anhang.)

„Angesichts der dunklen Wolken, die am Konjunktur-Horizont aufziehen – ich nenne hier nur die Stichworte Handelskrieg, Brexit und drohende Neu-Auflage der Euro-Krise –, müsste man eigentlich erwarten, dass unsere Regierung jetzt alles daran setzt, den heimischen Wirtschaftsstandort wetterfest zu machen“, sagte Thede auf der Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe, die diesmal beim Mitgliedsunternehmen ElringKlinger in Dettingen an der Erms stattfand.

„Doch anstatt konstruktiver Sacharbeit nachzugehen, taumelt die Große Koalition von einer Krise zur nächsten. Das Grundproblem ist doch, dass die politische Ausrichtung der Regierungsarbeit nicht stimmt“, beklagte der Bezirksgruppen-Vorsitzende: „Das Regierungsprogramm liest sich so, als wäre es zu großen Teilen von Sozialpolitikern geschrieben. Statt auf wachstumsfördernde Investitionen zu setzen, geht es in erster Linie nur um Umverteilung. Aufbruchswille und Mut sind Fehlanzeige.“

Thede warnte: „Wer heute die guten ökonomischen Rahmendaten nicht nutzt, wird morgen rote Zahlen und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit verantworten müssen. Wohin das führen kann, hat Deutschland Anfang des Jahrtausends schmerzhaft erleben müssen. Damals war die Bundesrepublik das Wachstumsschlusslicht in der EU. Es war Bundeskanzler Gerhard Schröder, der dann mit der Agenda 2010 die überfällige Kehrtwende eingeleitet hat.“

Genau so einen Reformschub brauche Deutschland jetzt wieder, betonte der Bezirksgruppen-Vorsitzende: „Anstatt weiter an einer Rund-um-Sorglos-Sozialpolitik zu basteln, sollte die Regierung beherzt eine Reform-Agenda 2030 auf den Weg bringen, die die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts auch für die Zukunft sichert.“

Der Südwestmetall-Vorsitzende Dr. Stefan Wolf, der auch Vorstandsvorsitzender von ElringKlinger ist, setzte sich in seiner Rede auf der Mitgliederversammlung mit der Gewerkschaft IG Metall auseinander, mit der der Arbeitgeberverband Anfang des Jahres einen Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie vereinbart hat, der erstmals die Möglichkeit für bestimmte Beschäftigtengruppen vorsieht, statt einer Einmalzahlung acht zusätzliche freie Tage zu beantragen.

„Die tariflichen Freistellungstage stoßen bei den Mitarbeitern unserer Mitgliedsunternehmen auch in der Region Neckar-Alb und Nordschwarzwald auf hohes Interesse, bei nicht wenigen Belegschaften sogar auf zu hohes Interesse“, bemerkte Wolf: „Wir stellen fest, dass gerade von Schichtarbeitern die Möglichkeit in vielen Betrieben sehr breit angenommen wird, und partiell in einem so hohen Ausmaß, dass schon jetzt absehbar ist, dass Anträge abgelehnt werden müssen.“ Wie viele der Anträge genehmigt werden können, liege auch mit in der Verantwortung von Betriebsräten. „Denn Maßnahmen, durch die das wegfallende Arbeitsvolumen kompensiert werden kann, sind in der Regel mitbestimmungspflichtig“, erläuterte er.

„Uns ärgert im Moment aber sehr, dass Teile der IG Metall die entscheidende Mitverantwortung der Betriebsräte ebenso ausblenden wie die im Tarifvertrag vorgesehene Möglichkeit, dass Anträge bei fehlender Kompensation auch abgelehnt werden können“, sagte der Südwestmetall-Vorsitzende: „Wir appellieren daher dringend an die IG Metall, 'Fair Play' zu spielen und Belegschaften und Betriebsräten die tariflichen Spielregeln von notwendigen Ersatzarbeiten vollständig zu erklären.“ Damit der neue Tarifabschluss nicht bei allen Beteiligten am Ende nur Frust auslöse, müssten die Betriebsräte sich ihrer Mitverantwortung bewusst sein. „Und die Beschäftigten müssen wissen, dass ein 'Nein' des Arbeitgebers am Ende des Entscheidungsprozesses keine Schikane ist, sondern die logische Konsequenz fehlender Kompensationsmöglichkeiten", betonte Wolf.

 

Südwestmetall
Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V.

Löffelstraße 22–24
70597 Stuttgart
Postfach 70 05 01
70574 Stuttgart
Tel. +49 (0)711 7682-0
Fax +49 (0)711 7651675
E-Mail: info(at)suedwestmetall.de

URL: https://www.suedwestmetall.local/SWM/web.nsf/id/li_swebb68eu7.html
Datum: 24.1.2020

VOILA_REP_ID=C1257761:004A5185