Regionale M+E-Unternehmen fordern von IG Metall grundlegende Kurskorrektur in der Tarifpolitik

Regionale M+E-Unternehmen fordern von IG Metall grundlegende Kurskorrektur in der Tarifpolitik

Erstellt am: 17.10.2019

Holder: „Tarifpolitik muss wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der breiten Masse der Unternehmen in den Blick nehmen“

REUTLINGEN / TÜBINGEN – Unternehmensvertreter aus der Metall- und Elektroindustrie (M+E) in der Region Reutlingen/Tübingen haben am Mittwoch anlässlich eines Treffens der Unternehmerkontaktgruppe der Bezirksgruppe Reutlingen des Arbeitgeberverbands Südwestmetall
von der IG Metall eine grundlegende Kurskorrektur in der Tarifpolitik gefordert. Martin Holder, Vorstandsmitglied der WAFIOS AG und Sprecher der Unternehmerkontaktgruppe stellte klar:
„In den letzten Tarifrunden hat die IG Metall mit einer aggressiven Streiktaktik teilweise sehr hohe Tarifabschlüsse und viele komplexe Regelungen durchgesetzt. Immer mehr Unternehmer fragen sich daher inzwischen, ob sie in der Tarifbindung noch gut aufgehoben sind“.
 
Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Reutlingen verwies darauf, dass die Entgelte der Beschäftigten allein seit 2012 um knapp 30 Prozent angestiegen seien: „Die Ertragslage vieler Unternehmen hat sich jedoch allenfalls seitwärts bewegt – trotz einer anhaltenden, überaus guten Konjunkturlage.“ Die angeblichen „Traumrenditen“, die IG-Metall-Chef Hofmann ausgemacht haben will, seien in der Breite der Unternehmen eine Schimäre, rund ein Drittel der Betriebe habe eine Umsatzrendite von maximal zwei Prozent oder schreibe sogar rote Zahlen. So hätten auch die glänzenden Rahmenbedingungen vielen Betrieben nicht dabei geholfen, mit der Tarifentwicklung Schritt zu halten: „Selbst in dieser Boom-Zeit hat rund ein Fünftel der Betriebe das Tarifniveau nicht mehr abbilden können und hat deshalb mit der Gewerkschaft Abweichungen vom Flächentarif vereinbart. Man braucht wenig Phantasie, um sich vorzustellen, wie das dann in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aussieht.“

Diese Zeiten sieht Bernd Nagel, Geschäftsführer der TBT Tiefbohrtechnik GmbH + Co im Kommen. Einerseits habe sich die Konjunktur zuletzt massiv eingetrübt. Andererseits stehe die gesamte Industrie vor gewaltigen Herausforderungen wie der Digitalisierung oder der Transformation der Automobilindustrie. „Diese Herausforderungen machen vielfach sehr hohe Investitionen erforderlich“, ergänzte Olaf Furtmeier, Geschäftsführer der BURKHARDT + WEBER Fertigungssysteme GmbH. „Aber den allermeisten Unternehmen fehlt aufgrund der expansiven Tarifentwicklung die Fettschicht aus den guten Jahren, um in den nun anstehenden schlechteren Jahren davon zehren zu können. Wir benötigen daher dringend tarifliche Regelungen, die die immer unterschiedlicheren Situationen in den Betrieben abbilden können", so Holder.

Immer unzufriedener sind viele Unternehmer auch mit der Komplexität vieler tariflicher Regelungen. „Die Tarifparteien sollten sich darauf besinnen, den Umsetzungsaufwand in den Betrieben im Blick zu behalten. Der Wert des Flächentarifvertrags liegt außerdem darin, in den Betrieben Frieden zu schaffen. Wenn die Umsetzung einer Tarifregelung aber im Gegenteil Konflikte im Betrieb schürt, und sei es auch nur, weil die Gewerkschaft die Spielregeln fehlerhaft oder unzureichend kommuniziert, beschädigt dies den Flächentarifvertrag zusätzlich“, sind sich Holder, Nagel und Furtmeier sicher.  

Die Unternehmer fordern daher unisono eine Abkehr von der Entwicklung der vergangenen Jahre. „Wenn es die IG Metall wirklich ernst meint mit dem propagierten Ziel, den Flächentarifvertrag zu stärken, ist es unerlässlich, dass sie zu einer wirklich sozialpartnerschaftlich ausgehandelten Tarifpolitik zurückkehrt“, stellten Holder, Nagel und Furtmeier klar: „Eine solche Tarifpolitik darf sich nicht länger nur an den Angreifbarsten in unserer Industrie ausrichten, sie hat vielmehr die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der breiten Masse der Unternehmen in den Blick zu nehmen. Es muss doch im gemeinsamen Interesse der Sozialpartner liegen, unsere Tarifverträge so auszugestalten, dass wir die anstehenden konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen erfolgreich meistern.“

Südwestmetall
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Datum: 4.8.2020

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